2026: Dorffest Läufelfingen

Theatralische Intervention

Während drei Tagen im August brannte Läufelfingen „duure“, denn vom 28.-30.08.2026 feierte das Dorf seine erste urkundliche Erwähnung vor 800 Jahren. Es wurde fleissig bewirtet, gegessen und getrunken, musiziert, getanzt und geturnt, gesägt und geworfen sowie bemalt, bedruckt und fotografiert. Auch die BÜHNE12 brannte für das Dorffest – nicht nur die Aktivmitglieder des Vereins waren mit glühendem Engagement dabei, auch zahlreiche Freunde, Verwandte und Bekannte leisteten glänzenden Einsatz. So konnten die Besuchenden ihren brennenden Hunger und Durst in unserem Beizli „Zwischenakt“ löschen, das sich mit Mezze und Gin sowie stimmungsvoller Dekoration hervortat.

Ein Brandherd für Freude und Unterhaltung am Dorffest war auch die humorvolle, aber historisch fundierte Theatralische Intervention „Gschicht und Gschichte us Läufelfinge“. An fünf verschiedenen Standorten spielte ein zwölfköpfiges Ensemble verschiedene Szenen aus der Vergangenheit des Dorfes und seiner Sagenwelt. Ganz in der Nähe vom „Zwischenakt“ startete der Rundgang mit einer Schulstunde über die erste urkundliche Erwähnung Leinvolvingens, den Bau der Homburg und die Landvögte.

Mit dem Tross der Schauspielenden zog das Publikum anschliessend zur zweiten Station, die sich in einer Romeo-und-Julia-Geschichte (beziehungsweise Julia und Rolf) der Industrialisierung und der Rivalität zwischen Bauern und Arbeitern widmete. Trotz aller Streitlust und Gegensätzlichkeit durfte das junge Liebespaar doch noch heiraten, denn „wenn’s gege Basel goht, denn si mir alli eis.“

Auch die dritte Szene zeigte Herausforderungen für die damaligen Bauern: das Posamenten. Hektisch wurden nach dem Melken Litzen gestochen, Fäden gespannt und schliesslich gewebt, um dem Visiteur passable Ware präsentieren zu können. Während rund 300 Jahren war die Seidenbandweberei eine wichtige Nebeneinkunft der Läufelfinger Bauernschaft: „Mir posamänte jo nume, dermit mir eus s’Buure chönne leiste.“ – „Oder buured dir, dermit dir euch s’Posamänte chönned leiste?“

Was natürlich nicht fehlen durfte, zumal die historische Lokomotive „Krokodil“ am Sonntag zwei Mal die Strecke zwischen Olten und Sissach befuhr, war die Thematisierung des Tunnelbaus. Ergänzend zum Stück Hauenstein (2022) lag der Fokus an dieser Station jedoch vor allem auf dem Homburgerbach, der aufgrund der Bauarbeiten kein Wasser mehr führte. Nach viel Hin und Her gelang es der Baselbieter Regierung 1862, sich vor dem Bundesgericht gegen die Schweizerische Centralbahn durchzusetzen. Nach neun Jahren Wassernot, wie ein Bauer einer Reporterin in der Szene erzählte, wurde das Wasser schliesslich wieder zurück nach Läufelfingen geleitet.

Neben dieser turbulenten Vergangenheit ist das Dorf auch reich an Sagenstoff. Von diesem erzählten und zeigten die Figuren allerhand in der fünften und letzten Station – vom Schlosshund in der Homburg über zur Strafe als Geister wandelnden Marchsteinversetzern bis hin zum Dürst und zum Brändli. Aber mehr können wir an dieser Stelle nicht erzählen, denn wenn man zu viel von ihnen spricht, bringt das Unglück!

Festzuhalten bleibt nur noch ein grosses Dankeschön an alle strahlenden Organisatoren und Helfenden – das gelungene Dorffest zeigte, wir alle sind „Füür und Flamme für euses Dorf!“

Gianna Coletti & Ilaria Manzetti, September 2027